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Dass sich auch mit ungewohnten Bauaufgaben Kontinuität schaffen lässt, hat Ruinelli beim Bau der Schreinerei Sciuchetti bewiesen, einer grossvolumigen Gewerbehalle am Rande eines kleinen Weilers im Talgrund des unteren Bergells. Dank der städtebaulich präzisen Setzung, die sich an der Silhouette der historischen Häuser orientiert, reiht sich der stattliche Bau harmonisch ins bestehende Dorfgefüge ein.

52 Beste Bauten - 35 - Falegnameria Sciuchetti, Spino

Armando Ruinelli (*1954) gehört zu den profiliertesten Vertretern einer aus dem Bestand heraus entwickelten Architektur. Massgeblich geprägt wurde seine Architekturauffassung von Michael Alder (1940–2000), der 1981 im Rahmen seiner Lehrtätigkeit an der Ingenieurschule beider Basel eine akribische Analyse der Siedlungen und Bauten von Soglio erstellte. Ruinelli hat diese architektonische Erforschung seines Heimatdorfes mit begleitet. Alder wurde zum «Lehrmeister» des gelernten Hochbauzeichners, der sich autodidaktisch zum Architekten weiterbildete. Wie jenem sollte auch Ruinelli das anonyme, ländliche Bauen zur zentralen Inspirations- und Reflexionsquelle werden. Seine Arbeit konzentriert sich zur Hauptsache auf das Bergell, sein Hauptanliegen ist die Kontinuität: das Weiterbauen der alten Bauerndörfer mit neuer Architektur, die nicht als Zäsur wahrgenommen werden will und doch gegenwärtig wirken soll. Die Respektierung der Massstäblichkeit und Körnung eines Ortes charakterisiert sein Werk, ebenso die Tradierung der eindeutigen, unprätentiösen Formen und der reduzierten Materialisierung, die der ruralen Bauweise eigen sind.

Dass sich auch mit ungewohnten Bauaufgaben Kontinuität schaffen lässt, hat Ruinelli beim Bau der Schreinerei Sciuchetti bewiesen, einer grossvolumigen Gewerbehalle am Rande eines kleinen Weilers im Talgrund des unteren Bergells. Dank der städtebaulich präzisen Setzung, die sich an der Silhouette der historischen Häuser orientiert, reiht sich der stattliche Bau harmonisch ins bestehende Dorfgefüge ein. Die bei den alten Zweckbauten der Gegend übliche Mischbauweise ist hier zeitgemäss variiert: Über einem betonierten Sockel erhebt sich eine Holzständerkonstruktion, kompakt umhüllt mit einer streifenartigen Schalung aus sich überlappenden senkrechten Fichtenholzbrettern. So wird das schlichte Gebäudes subtil akzentuiert. Die prägnante Staffelung des langen Pultdachs stellt den Bezug her zu den terrassenförmig angelegten Gärten im gegenüberliegenden Hang – und führt sanft über zum abschüssigen Ufer des nahen Flusses.

Quelle: 52 Beste Bauten
Text
: Ludmila Seifert, Chur
Literatur: Heinz Wirz (Hrsg.): Armando Ruinelli + Partner (De aedibus, Bd. 46), Luzern 2012 (Nott Caviezel: Einfach komplex, S. 8–22; Schreinerei Spino, S. 34–37).

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